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Software7 Min. Lesezeit5. Juni 2026

Software wird Teil der Risikobeurteilung

Warum Versionierung, Validierung und Änderungsmanagement jetzt Pflicht werden

Peter Tepe

DokuTech Swiss

Warum Software plötzlich CE-relevant wird

Viele Maschinenbauer betrachten Software noch immer als Unterstützung der eigentlichen Maschine. Die Mechanik wird als Maschine wahrgenommen, die Software als Hilfsmittel. Bei modernen Maschinen bestimmt die Software zunehmend: wie sich die Maschine verhält, welche Bewegungen ausgeführt werden, welche Sicherheitsfunktionen aktiv sind und wie Fernwartung erfolgt.

Die eigentliche Funktion der Maschine entsteht heute häufig erst durch die Software. Deshalb rückt Software zunehmend in den Mittelpunkt der Maschinensicherheit.

Die Maschine von gestern vs. die Maschine von heute

Vor zwanzig Jahren bestand eine typische Maschine hauptsächlich aus Mechanik, Pneumatik, Hydraulik und Elektrik. Sicherheitsfunktionen wurden durch Schütze, Relais, Endschalter und Sicherheitsrelais realisiert. Das Verhalten war weitgehend statisch.

Moderne Maschinen bestehen aus SPS-Programmen, CNC-Software, Robotersoftware, HMI-Systemen, Datenbanken, Cloud-Diensten und mobilen Anwendungen. Viele Funktionen können heute ausschliesslich über Software realisiert werden.

Infografik: Software wird Teil der Risikobeurteilung
Infografik: Software wird Teil der Risikobeurteilung | DokuTech Swiss

Wann wird Software sicherheitsrelevant?

Nicht jede Softwarefunktion hat unmittelbaren Einfluss auf die Sicherheit. Viele Funktionen dienen ausschliesslich der Bedienung, Datenerfassung oder Visualisierung.

Anders sieht es aus, wenn Software Einfluss nimmt auf: Bewegungen, Geschwindigkeiten, Positionen, Sicherheitsfunktionen, Zugriffsrechte oder Notabschaltungen. In diesen Fällen wird Software zum sicherheitsrelevanten Bestandteil der Maschine.

Neue Anforderungen an Softwaremanagement

Die Maschinenverordnung stellt neue Anforderungen an den Umgang mit Software:

Versionsverwaltung: Jede ausgelieferte Softwareversion muss dokumentiert und nachvollziehbar sein.

Änderungsmanagement: Änderungen an sicherheitsrelevanter Software müssen bewertet und freigegeben werden.

Validierung: Software muss systematisch getestet und validiert werden.

Updateprozesse: Softwareupdates dürfen keine Sicherheitsfunktionen beeinträchtigen.

Nachvollziehbarkeit: Es muss jederzeit erkennbar sein, welche Softwareversion auf welcher Maschine läuft.

Software als Sicherheitsbauteil

In bestimmten Fällen kann Software sogar als eigenständiges Sicherheitsbauteil betrachtet werden. Das ist dann der Fall, wenn die Software eine Sicherheitsfunktion eigenständig realisiert – beispielsweise eine sichere Geschwindigkeitsüberwachung oder eine sichere Positionserkennung.

In solchen Fällen gelten besonders strenge Anforderungen an Entwicklung, Test und Dokumentation.

Handlungsempfehlungen

Für Maschinenbauer ergeben sich konkrete Handlungsfelder: Erstellen Sie ein Softwareinventar aller sicherheitsrelevanten Softwarekomponenten. Definieren Sie klare Freigabeprozesse für Softwareänderungen. Dokumentieren Sie Softwareversionen lückenlos. Bewerten Sie bei jedem Update die Auswirkungen auf Sicherheitsfunktionen. Und integrieren Sie Software frühzeitig in die Risikobeurteilung.

Kernaussagen

  • Software wird zunehmend zum sicherheitsrelevanten Bestandteil moderner Maschinen
  • Versionsverwaltung und Änderungsmanagement werden zur Pflicht
  • Nicht jede Software ist sicherheitsrelevant – entscheidend ist der Einfluss auf Sicherheitsfunktionen
  • Softwareupdates müssen systematisch bewertet und dokumentiert werden
  • Ein Softwareinventar ist der erste Schritt zur Compliance

Häufige Fragen

Nein, nur Software, die Einfluss auf Bewegungen, Sicherheitsfunktionen oder Zugriffsrechte hat, gilt als sicherheitsrelevant.

Ja, die Maschinenverordnung fordert Nachvollziehbarkeit – es muss erkennbar sein, welche Version auf welcher Maschine läuft.

Jedes Update muss auf seine Auswirkungen auf Sicherheitsfunktionen bewertet werden, bevor es freigegeben wird.