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Dokumentation8 Min. Lesezeit9. Juni 2026

Technische Dokumentation im Wandel

Warum Word und PDF an ihre Grenzen stossen – und was danach kommt

Peter Tepe

DokuTech Swiss

Vom Handbuch zum Informationssystem

Über viele Jahre war die technische Dokumentation ein klar definiertes Thema. Der Hersteller erstellte eine Betriebsanleitung, Wartungsanleitungen, Ersatzteillisten und Schaltpläne. Diese Dokumente wurden als PDF oder in gedruckter Form ausgeliefert. Damit waren die gesetzlichen Anforderungen meist erfüllt.

Mit der zunehmenden Digitalisierung verändert sich die Rolle der technischen Dokumentation grundlegend. Sie entwickelt sich vom statischen Dokument hin zu einem dynamischen Informationssystem.

Warum Dokumentation strategisch wird

Viele Unternehmen betrachten Dokumentation noch immer als notwendige Pflicht. Erst wenn die Maschine fertig konstruiert ist, beginnt häufig die Erstellung der Betriebsanleitung.

Dieses Vorgehen funktioniert immer schlechter. Denn moderne Maschinen bestehen aus Mechanik, Elektrik, Software, Netzwerken, Sicherheitsfunktionen und digitalen Diensten. Die dazugehörigen Informationen entstehen während des gesamten Entwicklungsprozesses. Dokumentation wird dadurch zu einem zentralen Bestandteil des Produktes.

Infografik: Technische Dokumentation im Wandel
Infografik: Technische Dokumentation im Wandel | DokuTech Swiss

Typische Probleme klassischer Dokumentation

Mehrfachpflege: Die gleichen Informationen erscheinen in mehreren Dokumenten und müssen parallel aktualisiert werden.

Übersetzungen: Änderungen müssen in allen Sprachversionen nachgeführt werden – bei 6 Sprachen und 20 Varianten entstehen schnell über 120 Dokumentversionen.

Varianten: Jede Maschinenvariante benötigt eigene Dokumente.

Aktualität: Niemand weiss genau, welche Version aktuell gültig ist.

Wiederverwendung: Inhalte werden mehrfach erstellt, obwohl sie bereits vorhanden sind.

Die neue Realität: Dokumente vs. Informationen

Der entscheidende Wandel: Weg vom Dokument, hin zur Information.

Der klassische Ansatz fragt: In welchem Dokument steht die Information? Der moderne Ansatz fragt: Welche Information benötigt der Anwender?

Word und PDF werden auch in Zukunft nicht verschwinden. Sie bleiben wichtige Ausgabemedien. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch darin, Informationen so zu strukturieren, dass sie in verschiedenen Formaten, Sprachen und Varianten bereitgestellt werden können.

Digitale Betriebsanleitungen

Die Maschinenverordnung erleichtert erstmals die digitale Bereitstellung von Betriebsanleitungen. Papier ist nicht mehr zwingend erforderlich. Das eröffnet neue Möglichkeiten: Informationen können aktuell gehalten, durchsuchbar gemacht und kontextbezogen bereitgestellt werden.

Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen: Die digitale Bereitstellung muss zuverlässig, zugänglich und langfristig verfügbar sein.

Strukturierte Informationssysteme als Lösung

Die Zukunft gehört strukturierten Informationssystemen, die Informationen modular verwalten. Jede Information wird nur einmal gepflegt und kann in unterschiedlichen Formaten veröffentlicht werden: als Betriebsanleitung, Serviceanleitung, Online-Hilfe oder Schulungsunterlage.

Die Vorteile: schnellere Dokumentation, weniger Fehler, konsistente Inhalte, einfachere Übersetzungen, vollständige Traceability und bessere Compliance.

Kernaussagen

  • Technische Dokumentation entwickelt sich vom statischen Dokument zum Informationssystem
  • Klassische Word/PDF-Ansätze stossen bei Varianten, Sprachen und Updates an ihre Grenzen
  • Die Maschinenverordnung erlaubt erstmals digitale Betriebsanleitungen
  • Strukturierte Informationssysteme lösen die Probleme der Mehrfachpflege
  • Dokumentation wird vom Pflichtthema zum strategischen Unternehmensprozess

Häufige Fragen

Nein, die Maschinenverordnung erlaubt erstmals die rein digitale Bereitstellung von Betriebsanleitungen.

Ein System, das Informationen modular verwaltet und in verschiedenen Formaten, Sprachen und Varianten ausgeben kann – ohne Mehrfachpflege.

Bei komplexen Maschinen mit vielen Varianten, Sprachen und laufenden Updates entstehen schnell hunderte Dokumentversionen, die nicht mehr manuell pflegbar sind.