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Praxis9 Min. Lesezeit19. Juni 2026

Der 90-Tage-Aktionsplan für Maschinenbauer

Wie Sie die ersten Schritte zur Maschinenverordnung sofort umsetzen können

Peter Tepe

DokuTech Swiss

Die entscheidende Frage: Was machen wir morgen?

Viele Unternehmen haben verstanden, dass die Maschinenverordnung mehr ist als eine neue CE-Vorschrift. Trotzdem bleibt Unsicherheit: Wo beginnen wir? Welche Themen sind wirklich wichtig? Was muss sofort erledigt werden? Was kann später folgen?

Die gute Nachricht: Niemand muss alles gleichzeitig umsetzen. Der sinnvollste Weg besteht darin, strukturiert vorzugehen. Die Grundregel lautet: Verstehen, Bewerten, Planen, Umsetzen – nicht umgekehrt.

Phase 1: Tag 1–30 – Standortbestimmung

Ziel: Verstehen, wo das Unternehmen heute steht.

Verantwortlichkeiten prüfen: Wer ist für CE verantwortlich? Wer gibt Software frei? Wer verwaltet Dokumentationen? Wer bewertet Cybersecurity-Themen?

Dokumentation analysieren: Wo liegen die Dokumentationen? Wie werden Änderungen verwaltet? Wie werden Sprachversionen und Varianten gepflegt?

Softwaremanagement bewerten: Sind Softwareversionen dokumentiert? Gibt es Freigabeprozesse? Werden Updates dokumentiert?

Cybersecurity erfassen: Gibt es Fernwartung? Welche Zugänge existieren? Wer besitzt Administratorrechte? Gibt es Sicherheitskonzepte?

Infografik: Der 90-Tage-Aktionsplan für Maschinenbauer
Infografik: Der 90-Tage-Aktionsplan für Maschinenbauer | DokuTech Swiss

Phase 2: Tag 31–60 – Bewertung und Planung

Ziel: Handlungsbedarf identifizieren und priorisieren.

Gap-Analyse: Wo bestehen die grössten Lücken zwischen Ist-Zustand und Anforderungen der Maschinenverordnung?

Priorisierung: Welche Themen haben die höchste Dringlichkeit? Typischerweise: Softwareversionierung, Fernwartungssicherheit, Dokumentationsstruktur.

Ressourcen planen: Welche Kompetenzen sind vorhanden? Wo wird externe Unterstützung benötigt?

Zeitplan erstellen: Realistische Meilensteine bis Januar 2027 definieren.

Phase 3: Tag 61–90 – Erste Umsetzung

Ziel: Erste konkrete Massnahmen umsetzen.

Sofortmassnahmen: Softwareinventar erstellen, Fernwartungszugänge dokumentieren, Verantwortlichkeiten schriftlich festlegen.

Pilotprojekt starten: Ein konkretes Produkt als Pilotprojekt für die neuen Prozesse auswählen.

Schulung: Erste Awareness-Schulung für beteiligte Mitarbeitende durchführen.

Dokumentation beginnen: Erste Dokumentationsstrukturen aufbauen oder bestehende Systeme bewerten.

Die häufigsten Fehler vermeiden

Zu spät beginnen: Die Übergangsphase ist begrenzt. Prozesse und Strukturen brauchen Zeit.

Alles gleichzeitig wollen: Besser strukturiert in Phasen vorgehen als alles auf einmal anzupacken.

Nur auf Technik fokussieren: Die grössten Herausforderungen liegen oft in Prozessen und Organisation.

Ohne Standortbestimmung starten: Wer seine Schwachstellen nicht kennt, investiert in die falschen Bereiche.

Das Thema delegieren: Die Maschinenverordnung betrifft das gesamte Unternehmen – nicht nur die CE-Abteilung.

Erfolgsfaktoren

Top-Management-Unterstützung: Ohne Rückhalt der Geschäftsleitung fehlen Ressourcen und Priorität.

Klare Ziele und Prioritäten: Fokus auf die wichtigsten Handlungsfelder statt Perfektionismus.

Durchgängige Prozesse: Silodenken überwinden – CE, Software, IT und Dokumentation müssen zusammenarbeiten.

Kontinuierliche Verbesserung: Die Maschinenverordnung ist kein kurzfristiges Projekt, sondern eine langfristige Entwicklung.

Kernaussagen

  • Strukturiert vorgehen: Verstehen, Bewerten, Planen, Umsetzen
  • Phase 1 (Tag 1–30): Standortbestimmung und Transparenz schaffen
  • Phase 2 (Tag 31–60): Gap-Analyse und Priorisierung
  • Phase 3 (Tag 61–90): Erste konkrete Massnahmen umsetzen
  • Die grössten Fehler: zu spät beginnen und ohne Standortbestimmung starten

Häufige Fragen

Die Maschinenverordnung gilt ab 20. Januar 2027 verbindlich. Unternehmen sollten jetzt mit der Vorbereitung beginnen.

Nicht alles muss perfekt sein, aber die grundlegenden Prozesse für Software, Cybersecurity und Dokumentation sollten etabliert sein.

Mit der Standortbestimmung: Verantwortlichkeiten klären, Softwarestände erfassen, Dokumentationsstruktur analysieren und Fernwartungszugänge dokumentieren.